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Magnet Madrid: Bürger:innenreise führte in die spanische Hauptstadt und nach San Sebastian de los Reyes23.02.2026

Acht Tage waren Teilnehmer:innen einer Studienreise in der quirligen iberischen Metropole Madrid zu Gast, um Sehenswürdigkeiten zu bestaunen, Institutionen zu besuchen und - vor allem - spanische Bürger:innen zu treffen. 

Von ihnen wollten sie erfahren, welche Probleme ganz oben auf der Agenda stehen und wie sie die aktuelle Politik in Stadt, Land und Europäischer Union bewerten. Gemeinsam hatten der Kasseler Kreisverband der Europa-Union und die Deutsch-Spanische Gesellschaft Nordhessen zu dieser Begegnung eingeladen, die von Jörg Daniel, Vorstandsmitglied in beiden Organisationen und Teilzeit-Madrilene, organisiert wurde.

Die Studienreise begann mit einer ausführlichen Stadtführung, die auch zur Puerto del Sol, einem der zentralen Plätze Madrids, führte.

Die Studienreise begann mit einer ausführlichen Stadtführung, die auch zur Puerto del Sol, einem der zentralen Plätze Madrids, führte.

Fest in Europa verankert

Nach einem ausführlichen Stadtrundgang mit vielen historischen Highlights kamen die Nordhessen im Jugendstil-Café des „Circulo de las Bellas Artes“ zum Auftakt mit Luis Fraile Rodriguez zusammen. Luis ist Präsident der „Jungen Europäischen Föderalisten“, der Nachwuchsorganisation der Europäischen Bewegung, der auch die Europa-Union angehört. Das diese Organisationen deutlich mitgliederschwächer als ihre deutschen Partner sind, liegt an der anhaltenden Zurückhaltung der Spanier, sich (politischen) Organisationen anzuschließen. Dennoch hat eine erst kürzlich durchgeführte wissenschaftliche Befragung gezeigt, dass die Spanier eine überdurchschnittlich positive Haltung zur europäischen Integration haben und angesichts des politischen Problemdrucks auf europäische Zusammenarbeit setzen.

Sorgen bereitet jungen Spaniern gegenwärtig vor allem die unsichere politische Weltlage, neben der ökologische (Klimawandel) und soziale Probleme etwas in den Hintergrund gerückt sind. Als bedrückend wird die wachsende Not junger Menschen empfunden, eine Wohnung finden und bezahlen zu können. Spanische „Jugendliche“ bleiben notgedrungen lange zu Hause wohnen, die frühere spanische Normalität, eine Eigentumswohnung zu erwerben, lässt sich, insbesonders in Ballungsräumen, kaum noch verwirklichen. 

Im Goetheinstitut wurde die Gruppe von Rebeca Castellano, die in Nordhessen aufwuchs empfangen.

Im Goetheinstitut wurde die Gruppe von Rebeca Castellano, die in Nordhessen aufwuchs empfangen. 

Zu Gast im Goethe-Institut

Auch dem Goethe-Institut, welches mit einer großen Niederlassung in Madrid vertreten ist, statteten die Nordhessen einen Besuch ab und trafen dort Rebeca Castellano, die seit einigen Jahren als Kulturreferentin des Instituts tätig ist und aus Niederaula stammt. Sie beschrieb lebendig das vielfältige Kulturangebot des Instituts und sieht ein großes Interesse am Sprachangebot. Die Beschäftigungssituation habe sich, so erläuterte Rebeca Castellano, in den vergangenen Jahren deutlich verbessert, doch gäbe es nach wie vor zu wenig qualifizierte und gut bezahlte Jobs für Hochschulabsolventen, sodass eine Beschäftigung im Ausland nach wie vor für viele interessant sei.

Vertreter des Kommunalparlamentes von San Sebastian de los Reyes hießen die Nordhessen herzlich willkommen.

Vertreter des Kommunalparlamentes von San Sebastian de los Reyes hießen die Nordhessen herzlich willkommen.

Besuch in Baunataler Partnerstadt

Die Teilnehmer:innen der Studienreise kamen nicht nur aus Kassel, sondern auch aus Baunatal. Zwischen der Volkswagenstadt und dem nur wenige Kilometer nordöstlich von Madrid angesiedelten San Sebastian de los Reyes besteht seit langem eine Städtepartnerschaft. Grund genug für die Gruppe, „Sanse“ einen Besuch abzustatten und gemeinsam mit den spanischen Gastgebern den Festtag „Dos de Mayo“ zu feiern. An diesem Tag kam es 1808 zu einem Volksaufstand gegen die napoleonische Besetzung. Allerdings sorgte ein anhaltender heftiger Regenguss dafür, dass das Festgelände lange leer blieb und sich auch die Zelte nicht füllen wollten. Dennoch ließen sich die Nordhessen nicht verdrießen und kamen mit Vertretern des Kommunalparlamentes zu einem ausführlichen Meinungsaustausch zusammen. Eingefädelt hatte den Besuch Paolo Torelli aus dem Büro der Bürgermeisterin.

Trotz Dauerregen fand im Festzelt ein ausführlicher Austausch statt.

Trotz Dauerregen fand im Festzelt ein ausführlicher Austausch statt. 

Universitätsausbildung stärkt Demokratie

Die größte (staatliche) Universität Spaniens ist die „Complutense“. Mehr als 70.000 Studierende besuchen dort an mehreren, über die Stadt verteilten Standorten die Lehrveranstaltungen. Oliver Sainz Soto hatte die Nordhessen zu einem Gespräch mit Dozenten und Studierenden an den neuen Campus in Somosaguas eingeladen. Der Politikprofessor betreut dort die europabezogenen Studiengänge. In gemischten Gruppen diskutierten die Teilnehmer:innen, warum die Demokratie von autoritären und extremistischen Kräften angegriffen wird und was man dagegen tun kann. Oliver betreut ein Projekt, in dem es um die Ausübung des Wahlrechtes geht: „Wir versuchen zu erklären, wie man wählt und wie man die Motivation erhöhen kann.“ Auch die Frage, ob ein niedrigeres Wahlalter demokratiefördernd ist, wurde besprochen. In Deutschland werde der „Wahl-O-Mat“, der hilft, seine politische Position zu bestimmen, vor Wahlen hunderttausendfach genutzt. Im traditionsreichen kastilischen Gasthof „Posada de la Villa“ in der Madrider Altstadt kamen die Nordhessen zum Abschied zusammen, um noch einmal das prall gefüllte Programm der vergangenen Woche Revue passieren zu lassen. Die ausgezeichnete, facettenreiche spanische Küche hat es verhindert, dass ein kleiner Vorrat an „Ahlen Würsten“ selbst verzehrt wurde. So konnte er an die Gesprächspartner als kleines Dankeschön und Gastgeschenk überreicht werden.

 
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